World Café Thementisch 4: Neue Denkmuster

    Thementische-2

    Vorüberlegungen: Hört man die verschiedensten Entscheidungsträger reden, wundert man sich, warum Mönchengladbach nicht ein Fahrrad-Eldorado ist. (Fast) alle sind sich einig: Das Fahrrad ist wichtiger Bestandteil einer modernen Verkehrspolitik und spielt auf dem Weg hin zu einer menschenfreundlicheren Stadt eine entscheidende Rolle. Sobald es allerdings konkret wird, fällt auf, dass vielen das Ding mit dem Rad dann doch nicht so geheuer ist. Zumindest nicht, sobald die Vorreiterrolle des Autos angegriffen zu sein scheint. Geschäftsinhaber proklamieren, dass ihren Läden sofort die Kundschaft wegbrechen würde, könne man nicht mehr mit dem Auto vorfahren, Anwohner packt die Parkplatzangst sobald ein Parkstreifen einem Radweg weichen soll und für die meisten Politiker ist der Wähler am Ende des Tages doch eher ein Autofahrer, denn ein Radfahrer. Wie lässt sich die Angst vor einer Verkehrswende abbauen und wie lassen sich schon heute positive Auswirkungen einer nicht autofixierten Verkehrspolitik erlebbar machen?

     

    Ergebnisse

    Zielgruppenförderung

    • Männer und Fahrradnutzung – das Fahrrad muss raus aus der Sportgeräteecke. Förderung von Aktionen die den Nutzwert des Fahrrads im Alltag hervorhebt.
    • Frauen gefühlt mehr Rad als Männer. Warum ist das so? Können Männer aus ihren Beweggründen lernen? Gibt es spezifische Gender-Fragen auch bei der Fahrradnutzung?
    • Kinder und Jugendliche sind eine weitere wichtige Nutzergruppe des Fahrrads. Zudem sind sie als Verkehrsteilnehmer der Zukunft auch Botschafter ihrer Zeit. Eltern nehmen aber immer stärker die Rolle des Chauffeurs ein. An folgenden Punkten sollte gearbeitet werden: das Selbstbewußtsein der Kinder auf dem Fahrrad stärken, parallel zum Verkehrssicherheitstraining für Kinder findet Elternarbeit statt, nach dem Beispiel des Walking Bus werden Cycling Bus Routen an weiterführenden Schulen eingerichtet
    • Senioren und Fahrradnutzung – mobil im Alter dank Fahrrad

    Vorreiter 

    •  Einflussreiche Persönlichkeiten, Institutionen und andere Körperschaften als Botschafter und Trendsetter für das Fahrrad gewinnen. Gleichzeitige sollten diese Fahrradaffinen Gruppen vernetzt werden, damit das Fahrrad eine stärkere politische Lobby bekommt.
    • Unternehmen und andere Institutionen zur Teilnahme an der ADFC Aktion/ Zertifizierung „Fahrradfreundliches Unternehmen“ motivieren. Maßnahmen in Unternehmen könnten sein: Einführung von Dienstfahrrädern; mobile Fahrradserviceeinrichtungen (Reparaturleistungen am Arbeitsplatz – ähnlich dem Service von Automobilclubs) oder Hausmeister die kleine Reparaturen vornehmen. öffentlich wirksame Firmenevents zur Mitarbeitermotivation wie Firmenrennen (angelehnt an die schon stattfindenden Firmenläufen)
    • Den öffentlichen Arbeitgebern kommt dabei eine besondere Rolle zu. Stadtverwaltung, Krankenhäuser, Schulen, Fachhochschulen etc. sollten mit Beispiel voran gehen.

    Fahrradfreundliche Referenztage 

    •  Bürger die sich das Fahrrad nicht als Mobilitätsalternative vorstellen können, sollen durch beispielhafte Verkehrswege und Veranstaltungstagen vom Verkehrsmittel Fahrrad überzeugt werden.
    • Die Verkehrsplanung soll den Radfahrer im öffentlichen Raum stärker sichtbar machen (deutlichere Makierungen auf den Straßen, breitere Radwege). Neue Verkehrswege räumen dem Rad Priorität ein oder führen den Verkehrsteilnehmergruppen ein neues Miteinander vor (z.B. Shared-Space Konzept).
    • Durchführung von autofreien Tage (die z.B. thematisch in einem Zusammenhang stehen und räumlich bzw. zeitlich begrenzt sind) könnten für mehr Akzeptanz sorgen. Als Beispiel sei hier die Idee des Autofreien Einkaufens genannt. Die Teilnahme könnte flankiert werden durch Belohnungssystem für radfahrende Kunden, dezentrale Einkaufstaschenaufbewahrungsräume mit nach Hause bring Service, leihbare Fahrradanhänger…
    • Autofreie Tage laden zum entdecken der Ruhe, der Sauberkeit und des neuen Raumgefühls ein, in einer Stadt ohne fahrenden und ruhenden PKW Verkehr (Sperrung der Straßen für Autoverkehr und ein temporäres Parkverbot). Autofreie Tage könnten in Zusammenhang mit Straßenspieltagen oder wellness day durchgeführt werden.
    • Verbesserung des Zusammenspiels Fahrrad und ÖPNV. Zunehmende Öffnung von Bussen und Bahnen bzgl. Fahrradmitnahme und preiswerte Fahrradmitnahme im ÖPNV, Zugänglichkeit der Bahnhöfe mit dem Fahrrad verbessern (mehr Rampen und Aufzüge)
    • Generell: Mehr Mut zu temporären Aktionen, Sperrungen, etc. da diese nicht so schnell mit “Totschlagargumenten” belegt werden können.
    • Events wie ein Zirkus oder eine Kirmes zeigen, dass auch ohne gewisse Parkplätze oder Straßen nicht direkt die Verkehrs-Panik ausbricht.

    Nachdenkaktionen zu den Folgen der Automobilen Gesellschaft

    • arkplätze – kostbarer Raum der die Erscheinung unserer Städte stark verändert hat, zudem noch Fußgänger behindert und Grün verhindert…. Wie können wir auf diese Aspekt hinweisen (auch mit einem Augenzwinkern)? Z.B. durch Kunstaktionen wie temporäre Besetzung von Parkraum und Umnutzungshappenings durch Rollrasenpartys auf Parkbuchten, Parkplätze werden Goldfarben angemalt, Spielplätze auf Parkplätze, Leerstehende Parkhäuser werden zu Zeltplätzen, Nachtclubs, Auftrittsorten usw.
    • Auf die Abgasbelastung für Fußgänger, Radfahrer und Anwohner durch Autos hinweisen. Provokative Kampagnen starten, wie ein Gesetz der die Gesundheit der Radfahrer unter Schutz stellt (ähnlich dem Nichtraucherschutz)

    Fahrrad fahren macht Freude, ist Zeitgeist und hält fit

    • Wir müssen das Fahrrad wie ein neues Lifestylprodukt verstehen und anpreisen. Mit regelmäßigen Events rund ums Fahrrad, bleibt das Fahrrad im Gespräch und bekommt gleichzeitig ein neues Image. Nach dem Motto: „Fahrrad fahren macht Freude, bringt Freunde und ist die Fortbewegung der Zukunft“
    • Folgende Events und Maßnahmen wurden angesprochen: Textildesigner und Produktdesigner der HS Niederrhein entwerfen Fahrradmode und Zubehör, Fahrrad Pimp-Wettbewerb, öffentliche Fahrradwerkstätten, Stadtradeln, Fahrradtreffen mit modernen und historischen Fahrrädern
    • Auf diesen Zug sollten auch die Krankenkassen aufspringen, die vom gesundheitsfördernden Aspekt des Radfahrens profitieren (Präventionsarbeit). Können diese ein Bonussystem für Radfahrer einführen? Krankenkassen finanzieren Fahrradabstellplätze und die Kosten von Beschilderung von Fahrradrouten (gleichzeitig können die Routen auch mit dem Logo beworben werden).

     

     

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