Stellungnahme Fahrradklimatest 2014

Posted by on Feb 20, 2015 in Blog

Gestern veröffentlichte der ADFC die Ergebnisse des Fahrradklimatests 2014. Der Fahrradklimatest ist eine Onlineumfrage in der Radfahrer/innen in verschiedenen Kategorien die Gegebenheiten für den Radverkehr bewerten können. Wie auch 2012 schnitt Mönchengladbach erneut schlecht ab und landete in NRW auf dem letzten Platz.

Wir möchten uns dem Hohn und Spott, der seitdem durch die sozialen Netzwerke geistert, nicht anschließen, sondern die aktuelle Situation, sowie die Ergebnisse der Umfrage etwas differenzierter betrachten. Auf geht’s!

Fangen wir mit der einzig positiven Zahl in der Umfrage an, der Teilnehmerzahl. Diese war mit 553 ca. dreimal so hoch wie vor zwei Jahren. Bundesweit lag die Steigerung im Vergleich zu 2012 lediglich bei 25%. Heißt, um das Zahlenspiel auszureizen, Mönchengladbach war in diesem Punkt zwölf mal besser als der Bundesdurchschnitt. Aber auch absolut lässt sich diese Zahl blicken, liegt die Vitusstadt hier doch meist weit vor Städten vergleichbarer Einwohnerzahlen wie Wuppertal, Krefeld, Bochum und sogar dem NRW-weit zweitplatzierten Oberhausen.
Natürlich sagt diese Zahl nichts über die Qualität der Radwege aus, aber sie erzählt uns, dass den Mönchengladbacher Bürgerinnen und Bürgern das Radfahren am Herzen liegt, dass sie sich für bessere Bedingungen für Radfahrer/innen einsetzen. Und dies weitaus mehr als noch vor zwei Jahren und mit einer Steigerung die weit über dem bundesdeutschen Trend liegt. Das ist doch schon einmal was!

Kommen wir zu den unerfreulichen Zahlen. Der Großteil der Fragen bezieht sich direkt oder indirekt auf Fahrradinfrastruktur, sei dies die Breite von Radwegen, deren Belag oder die Wegweisung. Hier gibt es einiges an Nachholbedarf. Und dies sollte nicht überraschen. Münster, als bundesweiter Spitzenreiter hat spätestens in den 70er Jahren begonnen konsequente Radverkehrförderung zu betreiben, Oberhausen, als NRW-zweitplatzierter Mitte der 80er Jahre.

In Mönchengladbach wurde erstmals mit dem Bau der Radstation in Rheydt ernsthaft das Thema angegangen, im öffentlichen Diskurs ist es vermutlich erst 2013 angekommen. Seit einem guten halben Jahr hat die Stadtverwaltung nun auch einen Mobilitätsbeauftragten, der glücklicher Weise dem Rad sehr zugetan ist. Dass sich in diesem kurzen Zeitraum eine (spürbare) Verbesserung des Radverkehrs ergibt ist leider (!) illusorisch. Wir wünschten es wäre anders. Aber was andere Städte in Jahrzehnten umgesetzt haben wird in Mönchengladbach nicht in einer knappen Hand voll Bundesligaspielzeiten geschehen können.
Aber auch wenn noch weitaus mehr für den Radverkehr getan werden könnte, schließlich gilt es 40 Jahre Autovorrangpolitik aufzuholen, gibt es durchaus positives zu vermelden, was in der kommenden Zeit sichtbar werden wird. Sei es die Radstation am MGer Hbf oder die Öffnung von Einbahnstraßen in der Innenstadt. Zudem wird in den kommenden Tagen wohl der „Masterplan Nahmobilität“ in Auftrag gegeben.
Freilich, bis dieser erstellt und umgesetzt ist werden einige Jahre verstreichen. Bis dahin gilt es das Beste aus der aktuellen Situation zu machen. Natürlich lässt sich auf der Hohenzollernstraße nicht sicher radfahren, aber auf der parallel liegenden Eickener Straße funktioniert das dank neuer Schutzstreifen recht gut. Natürlich ist der Fahrradstreifen auf der Hittastraße in seiner Breite eher mit einem Schwebebalken zu vergleichen, aber parallel liegt der Geropark mit angeschlossener Lüpertzender Straße als gute Ausweichstrecke.
Und, nein, wir wollen mit Aussagen wie diesen nicht die städtische Verkehrsplanung oder die Politik in Schutz nehmen oder sie gar von ihren Aufgaben entbinden. Vielmehr wollen wir zeigen, dass es trotzdem geht, das Radfahren. Und um hierfür eine kleine Hilfestellung zu geben werden wir im Frühjahr einen Erste-Hilfe-Routenplan herausgeben. Weitere Infos hierzu folgen wenn es soweit ist.
Und solange die Situation für Radfahrer (und Fußgänger übrigens auch) weit weg von optimal ist, wünschen wir uns, dass alle Verkehrsteilnehmer noch ein bisschen mehr Rücksicht aufeinander nehmen, nicht immer die Schuld beim anderen suchen, und gemeinsam versuchen so entspannt wie eben möglich von A nach B zu kommen. Dies ist nämlich, und das sind die guten News, schon jetzt möglich und kostet zudem keinen einzigen Cent.

Denn eins fänden wir wirklich sehr, sehr schade: Wenn aufgrund des schlechten Ergebnisses beim Fahrradklimatest auch nur ein Fahrrad mehr im Keller stehen bleiben würde. Denn dies wäre sicherlich auch nicht im Sinne des ADFC.

Ach, fast vergessen. Mönchengladbach ist eine von vier Städten in NRW in der es eine Fahrradsternfahrt gibt. Wer sich für den Radverkehr einsetzen oder einfach mal in einer sehr großen Gruppe über Gladbachs Straßen radeln möchte hält sich am besten den 19. April frei.